Flucht & Eskapismus

Version 2

Über das Verhältnis dieses Motivs zu verwandten Motiven

  1. In Abgrenzung zum Motiv Migration und Fremde steht hier die eigentliche Flucht im Zentrum, das erklärt manche Überschneidungen mit dem Motiv ›unterwegs‹. Manche Geschichten handeln von getriebenen Menschen, die nirgends und nie ankommen.
  2. Manche vermeintlich gewöhnliche Reise birgt das Motiv der Flucht. Sie geschieht aus dem inneren Drang, sich von der als eng empfundenen Heimat auf Probe zu befreien und nach neuen Himmeln zu suchen, in denen man sich verlieren, nach neuen Ufern, an denen man stranden kann,  nach einem anderen Selbst oder einer alternativen Daseinsform.
  3. Die ersten beiden Punkte erklären, wieso sich hier nebst klassischen Fluchtgeschichten auch Titel finden, die eine Flucht im übertragenen Sinne zum Gegenstand haben. Das führt zu zehlreichen Überschneidungen zu den Motiven Melancholie, Glaube, Fremdgehen oder Sucht.

Weltliteratur

Henrik Ibsen: Die Stützen der Gesellschaft (1887)

Deutschsprachige Literatur

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch (1668)

Friedrich Hölderlin: Hyperion oder Der Eremit in Griechenland (1797-99)

Georg Büchner: Lenz (1835/39)

Georg Büchner: Leonce und Lena (1836/1895)

Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche (1842)

Henrik Ibsen: Die Stützen der Gesellschaft (1887)

Arthur Schnitzler: Liebelei (1895)

Franz Kafka: Die Verwandlung (1915)

Thomas Mann: Der Zauberberg (1924)

Joseph Roth: Hiob (1930)

Anna Seghers: Das siebte Kreuz (1942)

Max Frisch: Graf Öderland (1951/56/61)

Max Frisch: Stiller (1954)

Alfred Andersch: Sansibar oder der letzte Grund (1957)

Max Frisch: Homo faber (1957)

Uwe Johnson: Mutmaßungen über Jakob (1959)

Peter Weiss: Abschied von den Eltern (1961)

Peter Handke: Die linkshändige Frau (1976)

Uwe Johnson: Jahrestage (1970-83)

Markus Werner: Zündels Abgang (1984)

Werner Schwab: Die Präsidentinnen (1991)

Ruth Klüger: weiter leben (1992)

Herta Müller: Herztier (1994)

Sibylle Berg: Ein paar Menschen suchen das Glück und lachen sich tot (1997)

Christian Kracht: 1979 (2001)

Christoph Steier: Tauchertage (2008)

Wilhelm Genazino: Das Glück in glücksfernen Zeiten (2009)

Arno Geiger: Alles über Sally (2010)

Wolfgang Herrndorf: tschick (2010)

Stephan Thome: Fliehkräfte (2012)

Sibylle Berg: Vielen Dank für das Leben (2012)

Doris Knecht: Wald (2015)

Jonas Lüscher: Kraft (2016)

Lukas Bärfuss: Hagard (2017)

Olga Grjasnowa: Gott ist nicht schüchtern (2017)

Simon Strauß: Sieben Nächte (2017)

Film

Die fetten Jahre sind vorbei (Hans Weingartner, D 2004)

Little Children (Tood Field, USA 2006)

Glück (Doris Dörrie, D 2012)

Django Unchained (Quentin Tarantino, USA 2012)

Fuocoammare (Gianfranco Rosi, Doku, It 2016)