Ingeborg Bachmann: Das dreißigste Jahr (1961)

Die sieben Erzählungen, die erste Prosaarbeit der Lyrikerin Bachmann, sind thematisch miteinander verwandt. Es geht um Gewalt, Zerstörung und Anpassung an gesellschaftliche Erwartungen, das Erbe der Nazizeit spielt eine große Rolle und immer auch die Liebe und die Beziehung zwischen Mann und Frau. Drei Beispiele: In der Titelerzählung wird eine Kindheit und deren Traumata wieder besucht; ›Unter Mördern und Irren‹ erzählt von der unauslöschlichen Verrohung durch NS und Krieg; in ›Ein Schritt nach Gomorrha‹ erwägt die in einer unglücklichen Beziehung steckende Charlotte die Möglichkeit von lesbischer Liebe mit der sehr forschen jungen Mara. Bachmanns Prosa ist raffiniert, poetisch verdichtet und liefert viel Raum zur literarischen Interpretation – sie entwickelt von der ersten Seite an eine ungeheure literarische und sprachliche Wucht. (Bild)

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Inhalt & Kommentar

Dissertation mit Interpretationen

Rezension ZEIT 1961

Rezension SPIEGEL 1961

Rezension FAZ 2002

Blogrezension der Titelgeschichte 2005

Hans-Ulrich Treichel: Der Verlorene (1998)

Winter 44/45: Von russischen Soldaten bedrängt, gibt eine junge Mutter ihr Kind in die Arme einer Fremden und sieht es danach nie mehr wieder. Nach dem Krieg suchen die Eltern heimlich nach dem verlorenen Sohn, ihren jüngeren Kindern erzählen sie, er sei gestorben. Aus der Perspektive des jüngeren Sohns und Ich-Erzählers wird deutlich, wie sehr die Trauer über den Verlust die Freude das Leben aller überschattet, der Junge wird eifersüchtig auf einen Abwesenden. Treichels autobiographische Erzählung kann man auch als symptomatisch für die Situation in Nachkriegsdeutschland lesen: Trotz Frieden und wiedergewonnenen Wohlstands steckt eine Wunde im Fleisch, die nicht verheilt. Bild: Matti Geschonnek verfilmte den Stoff 2015.

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Rezension FAZ 1998

Rezension SPIEGEL 1998

Blogrezension

Inhalt & Kommentar zur Verfilmung

Verfilmung von Matti Geschonnek 2015

Ödön von Horvath: Ein Kind unserer Zeit (1938)

Ein junger Mann lässt sich vom Faschismus überzeugen, weil er mit seinem Leben wenig anzufangen weiß, gerät in der Krieg und kommt auf den Hund. Bild: aus einer Verfilmung von 2003.

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Inhalt & Kommentar

Der ganze Roman

Blogrezension

noch ne Blogrezension

Kurzbiografie des Autors

Trailer einer Theaterfassung 2013

Hölderlin: Hyperion oder Der Eremit in Griechenland (1797-99)

Ein Eremit erzählt rückblickend sein Leben in Form von Briefen in wunderschöner poetischer Sprache. Er erzählt von seiner Symbiose mit der Natur, vom Krieg und dessen Schrecken, von seiner Liebe zu der gottgleichen Diotima und davon, dass er lieber als Einsiedler im mythologisch über-höhten Griechenland lebt als im zeitgenössischen Deutschland Ende des 18. Jahrhunderts. Ein Fall von Zivilisationsflucht also, ähnlich wie Goethes Werther, eine Flucht aus der prosaischen Wirk-lichkeit in die Ästhetik, der Betrachtung der Schönheit. Bild: Rosabel Huguet in einer theatralischen Umsetzung an der Berliner Schaubühne 2013 (Regie: Romeo Castellucci).

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Kurzzusammenfassung

Inhalt, Analyse & Interpretation

Kurzfassung goes Playmobil

der ganze Text

Rezension ZEIT 1980/2012

Trailer der Inszenierung an der Schaubühne Berlin 2013 (Regie: Romeo Castelluci)

Ernst Jünger: In Stahlgewittern (1920)

Ernst Jünger verarbeitet in diesen Aufzeichnungen im Stil eines Tagebuchs seine Erfahrungen als junger Mann an der Front im Ersten Weltkrieg. Nüchtern beschreibt er den grausamen und teilweise grotesk banalen Alltag des Stellungskrieges: unzählige Schlachten, das unaufhörliche Sterben seiner Kameraden, die vielen eigenen Verletzungen. »Ich war im Kriege immer bestrebt, den Gegner ohne Hass zu betrachten und ihn als Mann seinem Mute entsprechend zu schätzen. Ich bemühte mich, ihn im Kampf aufzusuchen, um ihn zu töten, und erwartete auch von ihm nichts anderes. (…) Wenn mir später Gefangene in die Hände fielen, fühlte ich mich für ihre Sicherheit verantwortlich (…).« Der nüchterne Tonfall, mit dem Jünger den Krieg wie ein Naturereignis darstellt – und nicht wie die Folge menschenverachtender bellizistischer Politik –, brachte dem Autor zeit seines Lebens viel Kritik ein. Bildquelle

Überblick

Ausführliche kritische Auseinandersetzung mit psychoanalytischem Ansatz

Der ganze Text in einer Fassung von 1922

Detaillierte gegliederte und erläuterte Analyse eines Abschnitts zur Schlacht bei Cambray mit Vermerken und Erklärungen, Blogbeitrag 2014

Rezension der historisch-kritischen Ausgabe, Frankfurter Rundschau 2014

Beitrag zu Ernst Jünger und dem Ersten Weltkrieg, literaturkritik.de 2014

Rezensionsübersicht zur Ausgabe der historisch-kritischen Fassung 2014

Rezension der historisch-kritischen Ausgabe, Deutschlandfunk 2014

Rezension der historisch-kritischen Ausgabe, Kulturmagazin Zeitnah 2014

Kritische Rezension Welt 2013

Trailer einer Theaterfassung Theater Impuls 2015

Doku über Jünger 1977

Diskussion im Literaturclub 2016

Christa Wolf: Kassandra (1983)

Der Krieg um Troia aus Sicht einer Frau. Kassandra ist die Seherin, der niemand glaubt, die Tochter des Königs Priamos von Troja. Durch ihre geschärfte Optik mutiert der göttliche Achill zum mordenden Vieh, der große Priamos zum schwachen Macho, der nur noch der Logik des kriegs folgt, Hektor ist ein Opferlamm, Paris ein altes Kind und die schöne Helena bleibt eine Schimäre und das, was Hitchcock einen MacGuffin nennt: einen geeigneten, aber billigen Vorwand, um eine Geschichte zu erzählen – oder eben einen Krieg zu beginnen. Der monologische Roman ist eine fulminante Tirade gegen den Bellizismus in Zeiten des Kalten Krieges. Die Frauen bilden einen Gegenwelt ohne großen Einfluss, die Titelheldin und Erzählerin hat allerdings mit sich selbst noch eine Rechnung offen. (Bild)

Überblick

Inhalt & Kommentar

Textauszug, vorgelesen von Corinna Harfouch 2010

Hintergrund zur Publikation

Rezension FAZ 2009

Rezension Literaturblog 2008

Auszug einer Bühnenfassung, Theaterhaus Jena 2007

Zweiter Auszug der Jenaer Fassung

Trailer einer Bühnenfassung am Schauspiel Dortmund 2014

Auszug der Inszenierung einer Bühnenfassung der Alanus Hochschule 2015

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues (1929)

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Remarques ungeschminkte Darstellung des Ersten Weltkrieges wurde entgegen vieler Prognosen sofort zum Bestseller, dem Autoren wurde allerdings erst mal die Stelle gekündigt. Der Roman schien ein Bedürfnis zu stillen, wurde aber auch als pazifistisch verschrien und die erste Verfilmung von 1930 (Bild) erfuhr in Deutschland noch während der Weimarer Republik ein Aufführungsverbot. Vorwurf: Nestbeschmutzung. Die Lektüre ist auch heute noch ein einschneidendes Erlebnis, sofern man sich darauf einlässt. 

Übersicht

Inhalt & Kommentar

Ausführliche Inhaltsangabe

Zur Verfilmung von 1930

Ein Lehrer als Kriegstreiber: Auszug aus der Verfilmung von 1930

Trailer der Verfilmung von 1979

Jenny Erpenbeck: Heimsuchung (2008)

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In ihrer Geschichte eines Hauses und seiner Bewohner aus drei Generationen betreibt die Autorin eine autobiographische Spurensuche. Der Roman in 12 Geschichten vereint Themen wie Haben und Verlieren, Krieg, Natur, Flucht und Vertreibung – und die Sehnsucht nach einer Heimat.

Rezensionsübersicht

Rezension ZEIT 2008

Rezension NZZ 2008

Rezension FAZ 2008

Rezension Deutschlandradio 2008

Marcel Beyer: Flughunde (1995)

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Der Roman erzählt vom Ende des Zweiten Weltkriegs aus der Perspektive eines fanatischen Akustikers im Dienste der Nazis und aus der Sicht einer der Töchter Goebbels. Er erzählt von der Instrumentalisierung der Sprache durch die Propaganda und von Experimenten mit menschlichen Stimmen. (Bild)

Überblick

Inhalt & Kommentar

Leseprobe

Rezensionsübersicht

Rezension FAZ 1995

Blogrezension

Blogrezension (2)

Graphic Novel von Ulli Lust (Radiobeitrag 2013)

Rezension der Graphic Novel taz 2013

Rezension der Graphic Novel diesseits.de 2013

Lukas Bärfuss: Hundert Tage (2008)

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Die Entwicklungshilfe der Schweiz im afrikanischen Ruanda kommt nicht gut dabei weg, wenn Bärfuss seinen Protagonisten David Hohl dorthin gehen lässt, weil ihm in seinem Leben der Kick fehlt. Umso enttäuschter ist er, als sich alles sehr ruhig ausnimmt. Bleibt ihm noch sein Begehren, das er bereits am Flugplatz auf die erstbeste junge Ruandesin richtet. Und dann beginnt das hunderttägige Schlachten des Genozids von 1994. Anhand seiner Geschichte und weiteren Figuren, Schweizer*innen wie Ruandesen, stellt Bärfuss grundsätzliche Fragen an eine gewisse selbstgefällige und eigennützige Form von Entwicklungshilfe. (Bild NZZ 2008)

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Rezensionsübersicht

Rezension FAZ 2008

Rezension ZEIT 2008

Rezension NZZ 2008

Rezension WELTWOCHE 2008

Blogrezension 2008

Videorezension 2009

Videorezension 2011

Interview mit Dokfilmer Isler zum Thema Entwicklungshilfe in Ruanda

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Ganz abgesehen vom Verlauf der Geschichte bringt dieser Entwicklungsroman nur schon dadurch Abwechslung, als sein Autor mitteleuropäische Befindlichkeiten im Kontext eines historischen Völkermordes in Schwarzafrika verhandelt.