Christian Kracht: 1979 (2001)

Halb Reisebericht, halb Bildungsroman, schreibt die NZZ. Aber was für ein seltsamer: Ein wohlstandsverwahrloster deutscher Dandy und Intellektueller kommt auf den Hund – zuerst im Orient, dann in Fernost. Er gerät mit seinem Freund 1979 ins revolutionäre Teheran (als Khomeini Iran zum islamischen Staat macht), verliert den Freund und begibt sich als Pilger nach Tibet, erfährt auf spirituellen Wegen eine erste Ahnung von innerer Freiheit, und endet schließlich als Häftling in China. Eine Absage an die westliche Konsumgesellschaft? Ein Dokument bewusster Selbstauflösung eines westlichen Flachdenkers? Krachts Roman erscheint ausgerechnet 2001, als mit dem Angriff auf das World Trade Center Vertreter des radikalsten Islamismus dem Westen und dem ›Großen Satan‹ Amerika die ärgste Wunde zufügt. »In diesem Land wird eine neue Zeitrechnung beginnen, außerhalb des Zugriffs Amerikas“, sagt der Perser Massoud. „Es gibt nur eine Sache, die dagegen stehen kann, nur eine ist stark genug: Der Islam. Alles andere wird scheitern. Alle anderen werden in einem schaumigen Meer aus Corn Flakes und Pepsi-Cola und aufgesetzter Höflichkeit ertrinken.« (Bild)

Überblick

Zum Autor

Rezensionsübersicht

Rezension literaturkritik 2001

Rezension WELT 2001

Rezension FAZ 2001

Rezension NZZ 2001

Playlist einiger Musikstücke, welche die Protagonisten hören

Bernward Vesper: Die Reise (1969/1977, postum)

Vespers autobiographisches Romanessay hat als berühmtes Beispiel für die Befindlichkeit der 68-Generation und Protokoll der Nachkriegsjugend Geschichte geschrieben. In der Form des Bewusstseinsstroms erzählt er in wildem Wechsel von seinem strengen Elternhaus, seinen Drogenerfahrungen, der politischen Lage und seinem Schreiben selbst. Geprägt von der Liebe zu seinem autoritären Vater Will Vesper, einem Ewiggestrigen mit braunen Idealen (unter Hitler ein staatstragender Dichter), folgt er diesem lange gehorsam, bis es Anfang der 60erjahre unter dem Einfluss seiner Freundin Gudrun Ensslin zum Bruch kommt. Gudrun Ensslin bewegt sich in radikal linken Kreisen und gehörte später der Terrorgruppe RAF (Rote Armee Fraktion) an. Begonnen hat Vesper sein wildes Bekenntnisbuch mit 31, zwei Jahre vor seinem Freitod in der Psychiatrischen Klinik. Beendet hat er es nie. Es erschien 1977 als Fragment. Bild: August Diehl und Lena Lauzemis in ›Wer wenn nicht wir‹, Andreas Veiels Film über die Liebesbeziehung Vespers mit der späteren RAF-Terroristin Gudrun Ensslin aus dem Jahre 2011.

Überblick

Inhalt & Kommentar (der Verfilmung)

Rezension SPIEGEL 1979

Rezension ZEIT 1992

Rezensionsübersicht

Rezension SZ 2010

Rezension FAZ 2005

Beitrag von DER FREITAG 2015

Hörspiel 2007

Trailer zu ›Wer wenn nicht wir‹ (2011)

Rezension zu ›Wer wenn nicht wir‹ ZEIT 2011

Peter Handke: Wunschloses Unglück (1972)

Handke setzt sich in dieser halbbiographischen Erzählung mit der Lebens- und Sterbegeschichte seiner Mutter auseinander, die sich mit 51 Jahren das Leben nimmt. Dabei erforscht und illustriert er exemplarisch und stellvertretend für eine ganze Generation die Schwierigkeiten einer Frau aus einfachen Verhältnissen, sich selbst zu emanzipieren und zu verwirklichen. Sie schwankt zwischen Auflehnung und Anpassung, Liebe und Pflichtehe, Entdeckung der eigenen Individualität und Zurücknahme. Bild: Dorothee Hartinger und Daniel Sträßer in einer Bühnenfassung von Katie Mitchell am Burgtheater Wien 2014.

Überblick

Inhalt & Kommentar

Leseprobe

Hörspiel SRF 2008

Rezension ZEIT 1972/2012

Rezension Reich-Ranicki ZEIT 1972

Interview mit Handke WELT 2009

›Erwünschtes Unglück‹? Wissenschaftliche Untersuchung zum biographischen Aspekt 1982

Klaus Mann: Der Vulkan (1939/1956)

»Es gibt keine Hoffnung. Ob wir Intellektuelle nun Verräter seien, oder Opfer, wir täten gut daran, die völlige Hoffnungslosigkeit unserer Lage zu erkennen. Warum sollten wir uns etwas vormachen? Wir sind geliefert! Wir sind geschlagen!« – Klaus Manns eindrückliches Panorama von Emigrantenschicksalen ist auch ein Bekenntnis zum Außenseitertum und eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Intellektuellen. Er beschreibt aus eigener Erfahrung das Dasein der ausgewanderten deutschen Schauspieler*innen, Künstler*innen, Journalisten etc. im Pariser Exil der Dreißiger Jahre, in Amsterdam, Prag, Zürich und den USA. Alle sind sie vor Hitlers Diktatur geflohen, ihre Arbeit ist aber an ihre Muttersprache gebunden. Nun sehen sie sich gezwungen, im Ausland der Weltgeschichte dabei zuzusehen, wie sich entwickelt. Einige planen, ihre Laufbahn in USA oder woanders fortzusetzen, andere hoffen darauf, in ein postfaschistisches Deutschland zurückkehren zu können, und manche wechseln das Metier und lassen sich zum Beispiel zum Handwerker umschulen. Bild: Nina Hoss in einer Szene aus O. Runzes Verfilmung von 1999.

Intro

Inhalt & Kommentar (zur Verfilmung)

Rezension ZEIT 1956/2012

Blogrezension 2016

Rezension anlässlich der Verfilmung (Berliner Zeitung 1999)

Christoph Steier: Tauchertage (2008)

Kilian ist Bulimiker, leistet gerade Zivildienst und scheint auf dem Nullmeridian seines Lebens angekommen. Was hinter ihm liegt, ist ihm ein Graus, was vor ihm liegt, unklar. Er schlägt sich mit seinen Essattacken und Zufallsbekanntschaften herum. Zu seinem Geburtstag überrascht ihn seine Schulfreundin Charlotte mit einem Besuch – und spielt gleich Krankenschwester. Der Umstand, dass zwischen ihnen mal was lief, schafft Nähe und macht die Freundschaft kompliziert. Was die beiden trennt, sind die unterschiedlichen Milieus und was sie mit sich bringen. Ein ehrlicher Roman über eine existenzielle Krise. (Bild)

Überblick

Leseprobe

Rezension Literaturkritik 2008

Rezension FAZ 2008

Rezension Literaturblog 2008

Interview mit dem Autor 2008

Gerhart Hauptmann: Vor Sonnenaufgang (1889)

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Ein naturalistisches Sozialdrama um eine neureiche Bauernfamilie und deren Degeneration infolge von Alkoholsucht. Gegenspieler sind die ehemaligen Kommilitonen Hoffmann und der aufklärerische Soziologe Loth (Bild: Dietmar Bär und Xenia Snagowski in einer Szene aus Anselm Webers Inszenierung am Schauspielhaus Bochum 2012)

Überblick

Ausführliche Zusammenfassung der Handlung

Geschichtliche Hintergründe

Das ganze Stück

Trailer Schauspielhaus Bochum 2012

Rezension einer Inszenierung in Mainz 2012

Joseph Roth: Die Legende vom heiligen Trinker (1939)

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Paris im Frühling 1934. Der ehemalige Kohlearbeiter Andreas, mittlerweile ein obdachloser Trinker, kommt unversehens zu Geld und fasst gute Vorsätze, tut sich aber schwer, diese einzuhalten. Zumal ihm weitere Wunder geschehen. Eine zarte, die Trunksucht allerdings beschönigende Novelle. (Bild: Standbild einer Bühnenfassung des Theaters Wahlverwandte 2013)

Überblick

Der ganze Text

Leseprobe in Großschrift

Ausschnitt aus einer Hörspielfassung 1960

Zeitungsportrait des Autors ZEIT 1994

Roth und seine Alkoholsucht

Trailer einer Bühnenfassung des Theaters Konstanz 2014

Das bin ich wirklich; böse, besoffen, aber gescheit‹ (Portrait des Autors 2015)

Karin Duve: Dies ist kein Liebeslied (2002)

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Ein recht brutaler Bildungsroman einer jungen Frau, die sich eine Jugend lang zu dick und hässlich fühlt, das Leben einer Außenseiterin führt und kein rechtes Ziel verfolgt. Der Ton der Ich-Erzählerin ist schmissig und sarkastisch, der Inhalt tragikomisch bis grotesk. (Bild)

Überblick

Leseprobe

Rezensionsübersicht

Rezension FAZ 2002

Rezension ZEIT 2002

Rezension taz 2002

Blogrezension 2006

Sibylle Berg: Ein paar Menschen suchen das Glück und lachen sich tot (1997)

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Sibylle Bergs Debüt: Ein böser und lustiger Roman in Episoden von jeweils 3-4 Seiten, der sich leicht in einem Stück durchliest

Inhalt & Kommentar

Analyse / Uni-Arbeit 2006

Rezension FAZ 1997

Rezension SPIEGEL 1997

Blogrezension

Blogrezension LSD

Thomas Melle: Sickster (2011)

In dieser ›Hipsterdämmerung‹ (schön getitelt von der taz) stürzen sich die beiden Workoholics Magnus und Thorsten nach der Arbeit in ein Hochglanzleben inkl. Drogenrausch und Ekstase, ohne sich ganz damit wohlzufühlen. Als sich Magnus in Thorstens Freundin verguckt, nimmt das Drama seinen Lauf.

Überblick inkl. Leseprobe

Rezensionsüberblick

Rezension FAZ 2011

Rezension nachtkritik.de (2011)

Rezension taz 2011

die drei ersten Seiten vorgelesen

Ein fulminantes Romandebut von Thomas Melle. (Bild)