Simone Meier: Kuss (2019)

Je mehr man sein Leben eingefädelt und schwerwiegende Entscheidungen hinter sich hat (Partnerschaft, Hauskauf, Jobsituation), desto weniger werden die Optionen. Man ist vielleicht glücklich, sitzt aber auch in einer Art Falle. So ergeht es Gerda, Mitte 30, die sich eine Auszeit genommen hat und nun vorwiegend mit dem Haus beschäftigt ist, das sie und Yann sich gekauft haben – außerhalb der Stadt, ein neuer Lebensabschnitt. Kommen jetzt Kinder? Ein beruflicher Wiedereinstieg? Und wohin mit den Sehnsüchten? Das Rollenmuster ist ungut, Yanns Freund Alex hat das gewisse Etwas. »Simone Meier spinnt einen Reigen des Begehrens, des Gesehenwerdenwollens, in dem der andere vornehmlich als Projektionsfläche dient und die Realität zunehmend entgleitet. Auch der Leser weiß mit der Zeit nicht mehr, wo Fantasie anfängt und Wirklichkeit aufhört, zu schmal ist der Grat.« (SPIEGEL 13.2.19)

Überblick

Leseprobe

Inhalt inkl. Zitate 2019

Rezensionsübersicht

Rezension SPIEGEL 2019

Podcast: Interview mit Simone Meier

Françoise Sagan: Bonjour tristesse (1954)

Man darf diesen Sommerroman mit düsterer Unterströmung durchaus als Klassiker des frühen Feminismus der Nachkriegszeit lesen. Geschrieben hat ihn eine damals 18-jährige, die damit nicht nur der Sehnsucht nach einem freien Lebensgefühl Ausdruck verlieh, sondern auch an den Grundfesten der herkömmlichen Geschlechterrollen rüttelte.
Hochsommer an der Côte d’Azur. Cécile verbringt mit ihrem geliebten Casanova-Vater Raymond und dessen Geliebten Elsa entspannte Strandferien. Die 17-jährige Halbwaise bewegt sich irgendwo zwischen exzentrischer Halbwüchsigen und sensibler junger Frau auf der Suche nach Sicherheit. Sie kann es sich leisten, kindlich anstrengend zu sein, lernt aber gleichzeitig mit ihren Reizen zu kämpfen und findet auch einen boy, in den sie sich zum Zeitvertreib etwas verlieben kann. Als allerdings mit der coolen 40-jährigen Designerin Anne eine alte Freundin der verstorbenen Mutter auftaucht, die prompt Raymond schöne Augen macht, sieht Cécile ihren modus vivendi in Gefahr und überlegt, wie sie sich dem Lauf der Dinge entgegensetzen könnte.

Übersicht

Inhalt & Kommentar

Rezension ZEIT 1955 (!)

Rezensionsübersicht

Rezension SZ 2019

Rezension journal21 2019

Videorezension 2016

Trailer der Verfilmung von 1958

Markus Werner: Am Hang (2004)

Zwei einander unbekannte Männer, ein junger, etwas zynischer Scheidungsanwalt und ca. 20 jahre älterer Altphilologe, , geraten miteinander in ein Gespräch, das länger dauert als gewöhnlich. Sie haben eine diametral entgegengesetzte Einstellung zum Leben und zur Liebe. Der Erzähler Clarin (der Anwalt) schwärmt von seinem promiskuitiven Dasein als Junggeselle – sein Gegenüber namens Loos verachtet den Zeitgeist und verteidigt Liebe und eheliche Treue. Am Ende stellt sich heraus, dass beide mehr verbindet, als ursprünglich angenommen. Kaum Handlung, viel philosophisches Geplauder mal grundsätzlich, mal oberflächlich, unterm Strich ziemlich gehaltvoll.

Überblick

Inhalt & Kommentar

Übersicht

Rezension ZEIT 2004

Rezension NZZ 2004

Rezension FAZ 2004

Blogrezension 2013

Trailer der Verfilmung (Regie: Markus Imboden, 2013)

Ulrich Woelk: Liebespaare (2001)

Worin liegt der Sinn des Lebens, wenn man ein Paar geworden ist, im Wohlstand lebt und sich dennoch keine Ruhe einstellen will? Fred und Nora sind seit fünf Jahren ein Ehepaar, er ist 40 und leitet das Redakteurteam einer populären Soap, sie ist mit 35 daran, ihre späte Doktorarbeit abzuschließen. Haus, Anstellung, Gesundheit, Freunde, alles stimmt, dennoch nimmt die Zufriedenheit ab, lässt das große Glück auf sich warten resp. scheint in der Vergangenheit zu liegen. Wie viele andere Paare aus ihrem Milieu beschäftigt sie die Frage, wie es in ihrem Leben weitergehen soll. Beide sind sich unsicher, wie sehr sie einander noch lieben, ob sie mit einem anderen Partner oder Job glücklich wären, ob ein Kind etwas ändern würde. Inmitten dieser Daseinsform materiellen Überflusses und transzendentaler Obdachlosigkeit begegnen sie Robert, einem Schriftsteller, und dessen Frau Christa. Aus den entstehenden Sympathien folgt, was Goethe vor zwei Jahrhunderten in seinem Roman ›Wahlverwandtschaften‹ schilderte.  Woelks Figuren wirken alle mehr oder weniger übersättigt und enttäuscht, sie belügen und hintergehen sich und sind doch auf der Suche nach Liebe und Bindung. Der Roman hat einige Längen, die mal locker überspringen kann, und ist dennoch nicht uninteressant, mitunter weil Woelk einen guten Eindruck von der diffus unsicheren Stimmung der Endneunzigerjahre vermittelt.

Einführung

Übersicht

Stefan Zweig: Angst (1910/20)

Irene Wagner, verheiratet, Ende zwanzig, lässt sich aus Neugier und einem diffusem Überdruss am vor sich hinplätschernden Familienleben auf ein Abenteuer ein. Das wattierte Dasein als zweifache Mutter in einem bürgerlichen Haushalt der besseren Wiener Gesellschaft füllt sie nicht aus. Dieses Selbstverständliche gerät aber von einem Moment auf den anderen in Gefahr, als sie von einer Frau erpresst wird, die sich als die Freundin des Liebhabers ausgibt. Fortan fürchtet Irene, die Affäre fliege auf und ihr wird bewusst, was sie zu verlieren hat. Sie registriert ihre Versäumnisse, beispielsweise was die Beziehung zu ihren zwei Söhnen betrifft, und sehnt sich zurück zu dem eben noch verschmähten kleinen Frieden der eigenen Familie und den gesitteten Verhältnissen. Die spannende Novelle lebt vom Getriebensein der Protagonistin, die sich dem Schicksal ohnmächtig ausgeliefert sieht.

Überblick

Inhalt & Kommentar

Volltext der ganzen Novelle

Blogrezension 2011

Noch ne Blogrezension (2000)

Analyse & Figuren

Kurzfassung goes Playmobil

kurze Stummfilmfassung (1928)

Trailer einer Bühnenfassung Theater Erlangen (2012)

Theodor Fontane: Graf Petöfy (1883)

 

Der 70-jährige Graf Adam von Petöfy lebt mit seiner frommen verwitweten Schwester Judith in Wien. Der junggebliebene Lebemann und Theaterliebhaber hat ein Auge auf die lebhafte 24jährige Schauspielerin Franziska geworfen, die sich tatsächlich auf eine Ehe einlässt – womöglich aufgrund der Freiheiten, die der Graf ihr garantiert. Dass Alter, Stand und Konfession gegen diese Verbindung sprechen, liegt zwar auf der Hand, doch der Graf mag es unkonventionell. Franziska soll ihn vor allem unterhalten, ansonsten stellt er keine Ansprüche an sie. Als sie den Sommer in seiner ungarischen Residenz verbringen, kommt es zu komplizierten Verwicklungen, bei denen Petöfys Neffe Egon von Asperg eine Rolle spielt. Fontane verarbeitet hier eine historische Skandalbeziehung mit der gewohnten erzählerischen Ruhe, Ironie und dem genauen Blick.

Überblick

Ganzer Text

Präzise Charakterisierung der Figuren

Gottfried von Straßburg: Tristan [und Isolde] (1210)

Das so berühmte wie umfangreiche Epos ist ein Skandalon des Hochmittelalters – und ein Beweis dafür, dass MDMA, besser bekannt unter den Namen Ecstasy, bereits vor 800 existiert haben könnte – und zwar mit anhaltender Wirkung. Im Zentrum steht die ungehörige Mésalliance zwischen der irischen Prinzessin Isolde, die König Marke versprochen ist, und Tristan, Markes Neffen. Der Trick, diesen für die damalige Leserschaft ungehörigen Fauxpas überhaupt aufs Papier und in Umlauf bringen zu dürfen, liegt eben in der Erfindung des oben angedeuteten ominösen Liebestranks. Salopp gesagt: Kann man mich für mein Handeln haftbar machen, wenn ich KO-Tropfen verabreicht bekam? (Bild)

Überblick

Intro

Der ganze Text

Rezension ZEIT 1979

Präzise & ausführliche Inhaltsangabe und Figurenübersicht

›Der Liebestod‹: Das Ende der gleichnamigen Oper von Richard Wagner in Bayreuth 1995 (Regie: Heiner Müller)

›Liebesnacht‹: aus derselben Fassung von Heiner Müller 1995

Die gesamte Oper (nur Ton)

Die gesamte Oper 1981 (Musikalische Leitung: Daniel Barenboim)

Arthur Schnitzler: Liebelei (1894/95)

Theodor und Mizi, Fritz und Christine: Zwei junge Männer und zwei junge Frauen flirten miteinander zum Zeitvertreib, doch der Ernst des Lebens hält Einzug in Form von tiefen Gefühlen und betrogenen Ehemännern. Was eben noch arglose Spielerei und Liebelei war, droht nun dramatische Konsequenzen nach sich zu ziehen. Bild: Plakat einer Inszenierung in Luxemburg 2016 (Regie: Marion Rothhaar).

Überblick

Das ganze Stück

Inhalt, Figuren & Interpretationsansatz

Wissenschaftliche Untersuchung zur Rolle der Frau in den literarischen Geschlechterbeziehungen bei Schnitzler

Arthur Schnitzler und sein Werk

Schlußszene der Verfilmung von 1933 (Regie: Max Ophüls)

Trailer einer Inszenierung im Theater in der Josefstadt, Wien 2014 (Regie: Alexandra Liedtke)

Theodor Fontane: Effi Briest (1894/95)

Von der Schaukel ins triste Eheleben. Effi ist 17 und muss den ehemaligen Verehrer ihrer Mutter heiraten, weil der mittlerweile ein gutes Leben mit sicherer Anstellung verspricht. Ihr Mann Instetten ist so brav wie langweilig. Effi langweilt und fürchtet sich, daran ändert auch der Umstand nichts, dass sie ein Kind zur Welt bringt. Erst ein junger Charmeur lässt wieder Blut durch ihre Adern fließen. Fontane erzählt in ruhigem Tonfall, mit feinen Nuancen und scharf gesetzten Anspielungen die tragische Geschichte einer unglücklichen Verbindung nach historischem Vorbild. Der Beginn mag etwas gar beschaulich sein, doch der Schein trügt: die vermeintliche Beschaulichkeit birgt ein großes Drama. (Bild: Hanna Schygulla als Effi in Fassbinders großartiger Verfilmung)

Überblick

Inhalt & Kommentar

Inhaltsangabe

Inhalt & Analyse

Kurzfassung goes Playmobil

Der ganze Text

Lesung

Verfilmung durch Rainer Werner Fassbinder (1974)

Trailer der TV-Verfilmung (2009)

Klaus Mann: Mephisto (1936)

Wie glaubwürdig kann ein Künstler in einer Diktatur künstlerische Freiheit vorleben? Dieser Frage geht Klaus Mann in seinem ›Roman einer Karriere‹ (so lautet der Untertitel) nach, den er im Exil schrieb. Sein Protagonist Henrik Hoefgen ist ein ehrgeiziger und begabter Schauspieler, der in Hitlerdeutschland zum Bühnenstar aufsteigt – auf der Strecke bleiben Freunde, Weggefährten – und seine eigenen Überzeugungen. Historisches Vorbild für Hoefgen war Gustav Gründgens, der vor der Nazizeit kurz mit Klaus Manns Schwester Erika verlobt war und der zwischen 1933 und 1945 und auch nach dem Krieg große Erfolge als Schauspieler und Regisseur feierte. Seine Paraderolle war Mephistopheles aus Goethes ›Faust‹. Bild: Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer verkörperte Hoefgen in einer Kinofassung von 1981.

Überblick

Inhalt & Kommentar

Rezension SPIEGEL 1981

Übersicht über Figuren & Kapitel

Prezi-Schau  zum Autoren und Roman

Literarische Diskussion 1989 (von 22:30 an)

Verfilmung 1981 (Regie: Istvan Szabo)

Trailer Bühnenfassung Düsseldorfer Schauspielhaus 2015

Trailer einer Bühnenfassung Schauspielhaus Bochum 2016

Trailer Schauspielhaus Zürich 2016

Einführung zur Zürcher Inszenierung von Dušan David Parízek