Matthias Brandt: Blackbird (2019)

Wie soll ich mich verhalten? Worüber soll ich reden und was soll ich sagen? Bin ic h ein guter Freund? Welche Platte kauft man sich als nächstes? Wieso betet die Angebetete einen anderen an? Wieso wird einem beim Rauchen schlecht? Und wieso sind die Erwachsenen fast alle derart endbescheuert? Ähnlich wie in Herrndorfs Roman ›tschick‹ steht auch in Blackbird die Bubble des Jungseins im Zentrum. Vermeintlich hermetisch abgetrennt vom Rest der Welt, gilt es für die Hauptfigur Morten, alles zu entdecken, während man nach außen auf keinen Fall die Überforderung zeigen darf – die Überforderung, vor die einen solche Fragen wie oben stellen. Kommt dazu eine neue Form der Einsamkeit: Mortens bester Freund liegt mit einer seltenen Form von Krebs im Krankenhaus und bleibt in seiner Entwicklung stehen. Und die Mutter trauert dem Vater hinterher, der die Familie verlassen hat. (Bild)

Intro

Leseprobe

Rezensionsübersicht

Rezension Deutschlandfunk 2019

Rezension ZEIT 2019

Der Autor und Schauspieler Matthias Brandt liest vor

Matthias Brandt spricht über seinen Roman

Angelika Klüssendorf: April (2014)

»Sie ist gerade einundzwanzig geworden, sie kommt sich immer noch vor, als wäre sie auf Durchreise, sie will begreifen, was sie umgibt. Doch das Wahre vom Falschen zu unterscheiden ist so, als müsste sie lernen, mit geschlossenen Augen zu schielen.« (S. 104f.)
***
Diese sechs Jahre währende Chronik einer Selbstfindung ist eindrücklich, mit einer kühlen, bildstarken Sprache, und teilweise schwer auszuhalten, so orientierungslos und selbstzerstörerisch torkelt die 17jährige Hauptfigur namens April von der Jugendhilfe ins Erwachsenenalter. Ihrer schweren Kindheit ist sie entronnen, sie bleibt jedoch eine vom frühen Schicksal Gezeichnete, die sich an der Welt schneidet. Weder findet sie Frieden noch würde sie diesem trauen – ein Teufelskreis. Was sie hat: eine scharfe Wahrnehmung. Nur müsste sie es fertigbringen, daraus Literatur zu machen.
Der Roman mit autobiographischem Bezug schließt an den Vorgänger ›Das Mädchen‹ (2011) an und spielt hauptsächlich in Ost- und Westberlin in den frühen 1980ern.
(Bild: Adrien Olicon from Pexels)

Überblick

Inhalt & Analyse

Textauszug / Leseprobe

Rezensionsübersicht

Die Autorin liest vor

Interview mit der Autorin (ZEIT 2014)

Judith Kerr: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (1971/73)

Weil ihr Vater von den Nazis verfolgt wird, muss Annas Familie 1933 Deutschland verlassen. Die Flucht führt sie zunächst nach Zürich, doch was erwartet sie in der Fremde und wovon sollen sie leben? Die Tochter des Intellektuellen Alfred Kerr verarbeitet hier eigene Kindheitserfahrungen auf einfache, aber spannende Weise, vor allem weil sie konsequent aus der Kinderperspektive erzählt. Sie vermittelt eine Vorstellung vom Grad der Verwirrung und Verunsicherung derjenigen, welche die Gesamtsituation noch weniger erfassen können als Erwachsene, erfährt aber auch, wie rasch sich Kinder adaptieren und was aus ihrer Sicht wesentlich ist. Der Jugendbuchklassiker ist ursprünglich in englischer Sprache erschienen.

Überblick

Textauszug / Leseprobe

Interview mit der Autorin (2013)

Bericht zur Verfilmung von Caroline Link (2019)

Trailer der Verfilmung

Leonie Ossowski: Stern ohne Himmel (1958)

1945, die letzten Kriegstage in einer halbzerstörten deutschen Stadt, Flüchtlingsströme, die Front rückt näher, allgemeine Verunsicherung. Mittendrin fünf Jugendliche, die mit einer sie überfordernden Situation konfrontiert werden. Ein jüdischer Junge hat sich in ihrer geheimen Vorratskammer im Keller einer Hausruine versteckt. Eingeklemmt zwischen der eintrainierten NS-Doktrin, Egoismus und eigenen Überzeugungen, sind sie sich nicht einig, wie sie handeln sollen. Ein spannender Jugendbuchklassiker zum Thema Verantwortung.

Überblick

Inhaltsangabe und Figurenübersicht

Textauszug / Leseprobe

Verfilmung (1981)

Leif Randt: Allegro Pastell (2020)

»Vorauseilende Wehmut – bester Zustand!«
So beschreibt Tanja (29) ein Gefühl, das sie mit ihrem Freund Jerome (35) teilt.
Der Roman spielt in den Jahren 2018 und 2019. Die beiden führen eine angenehm dosierte Fernbeziehung, ›nice‹, aber auch ängstlich darum bemüht, dem Paarklischee zu entgehen und einander Freiheiten zu lassen. Der Autor redet von ›pragmatischem Hedonismus‹.
Über telegram etc. bleiben sie eng miteinander verbunden und besuchen sich wochenendweise in ihren jeweiligen Realitäten in Frankfurt und Berlin. Gleichzeitig ist jeder auch nur mit sich beschäftigt, beide bewegen sich auch ohne einander durch rauschende Nächte und begegnen neuen wie alten Bekannten. Was das mit ihnen macht, davon erzählt der Roman. Da kann schon mal »vorauseilende Wehmut« aufkommen.
Ein »virtuos lauwarmes Meisterwerk«, schreibt die Süddeutsche Zeitung (siehe unten)

Überblick

Leseprobe

Rezensionsübersicht

Rezension ZEIT 2020

Rezension SZ 2020

Bericht über den Roman inkl. Interview mit dem Autor

Der Autor liest uns ein paar Seiten in der freien Landschaft vor

Thomas Jonigk. weiter. (2020)

Wie findet man zu einem Glück, das man sich zutraut, zu einer Liebe, der man vertrauen kann? Veronika und Robert, zwei verlorene Seelen in ihren 20ern, begegnen sich in einem Westberliner Café in den 80ern. Der Roman erzählt von den beiden und wie sie an diesem Punkt gelangt sind. Das ist zum Teil dicke Post, erinnert sehr an den dunklen Zynismus der Romane von Sibylle Berg. Es liest sich trotz alledem sehr gut, sofern man die zum Teil schwer erträglichen Beschreibungen aushält – und weil sich darin so radikale wie interessante Betrachtungen über die conditio humana finden.

Überblick

Inhalt

Leseprobe, Textauszug

Rezension Deutschlandfunk 2020

Marieluise Fleißer: Eine Zierde für den Verein (1931/72)

Frieda, eine selbstbestimmte und ökonomisch unabhängige Frau, läßt sich auf eine sehr körperliche, lustvolle Beziehung mit Gustl ein, einem Ladenbesitzer und begabtem Schwimmer, dem sie intellektuell überlegen ist. Dann will er Frieda und ihr Geld in den Dienst seines Tabakgeschäfts einspannen, worauf sie ihn unwiderruflich verläßt. Der beleidigte Gustl gibt ihr darauf die Schuld dafür, das Training und damit seinen Männerkörper vernachlässigt zu haben. Im körperlichen Leistungswahn stauen sich Aggressionen an, die nach einem Ventil suchen. Der Roman kritisiert das vorherrschende patriarchalische Denken und falsch verstandene, toxische Männlichkeit – in Verbindung mit dem Wahn körperlicher Ertüchtigung. Damit bietet er auch einen Link Körperkult der Nazibewegung an.

Überblick

Prezi-Präsentation als Einstieg

Inhalt (etwas runterscrollen)

Rezension NZZ 2008: Sport als Schauplatz eines Geschlechterkampfs

Informative Rezension einer Bühnenfassung 2011

Rezension im Kontext einer Hörbuchfassung 2011

Ihr Leben und ihre Texte

Heinrich Mann: Der Untertan (1914/18)

Menschen, die nach Macht über andere streben, diese genießen und ausnutzen, tun das nicht selten, um ihre persönlichen Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren. Sie machen sich gerne einer Führerfigur ›untertan‹, um dann im Kollektiv gegen Schwächere zu treten. Genau das trifft auf den bis zur Schmerzgrenze unsympathischen Protagonisten Diederich Heßling zu, mit dem der Autor die »Vorgestalt des Nazi« entwarf, wie er selber sagte.
Heinrich Mann tat dies 1914, noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und 20 Jahre, bevor die Nazis in Deutschland ihre Diktatur ausriefen. Das verleiht dem »Untertan« seine analytische Bedeutung und prophetische Rolle: Da wusste einer, was das für Menschentypen sind, die nach einem starken Kaiser oder Führer lechzen und sich ein Großdeutschland wünschen – und die es heute noch genauso gibt wie damals. Man man lernt viel über die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im kaiserlichen Deutschland und darf auch mit dem Autor über diese Karikatur eines komplexbeladenen Feiglings, Spießers und Emporkömmlings lachen. (Bild)

Überblick

Rezension ZEIT 1979

Biografisches zu Heinrich Mann

Rezension Welt 2014

Kurzfassung goes Playmobil

Präzise Charakterisierung der Figuren

You-Tube-Erklärbär

Ausschnitt aus der Verfilmung von 1951

Dirk Kurbjuweit: Zweier ohne (2001)

Johann und Ludwig sind 16 und schon einige Jahre gut befreundet. Die beiden rudern zusammen und wollen jetzt ihre Freundschaft optimieren, um in der Ruderregatta endlich zwei erfolgreiche Zwillingsbrüder zu besiegen. Sie beschließen, ihr Leben komplett aneinander anzugleichen, auch über alles zu reden, was sie beschäftigt. Ludwig ist der dominantere der beiden und bestimmt das meiste. Das Problem: Johann und Ludwigs Schwester Vera haben ein Auge aufeinander geworfen.

Übersicht

Inhaltsangabe

Inhalt & Analyse

Rezensionsüberblick

Leseprobe

Trailer der filmischen Umsetzung (2008)

Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh (2007)

Dieter Rotmund ist ein Mann mittleren Alters und das, was man einen traurigen Helden nennen kann. Zwar ist er verheiratet, hat eine Liebhaberin und wird zum Finanzdirektor befördert, aber das ändert nichts an seinem melancholischen Gemüt. Er schlägt sich so tapfer wir trostlos durch seine zunehmende Vereinsamung. Dabei kommen ihm absurderweise ein Ohr und sein linker kleiner Zeh abhanden. Das ist sehr sonderbar, aber keineswegs die Hauptsache in diesem melancholischen Roman, der vor allem denkwürdige Beobachtungen aus dem Alltag, philosophische Tröstungen und Humor von der subtilen Seite bietet.

Übersicht

Rezensionsübersicht

Rezension Tagesspiegel 2007

Autorenlesung von Genazino auf youtube (2011, anderer Text)