Leif Randt: Allegro Pastell (2020)

»Vorauseilende Wehmut – bester Zustand!«
So beschreibt Tanja (29) ein Gefühl, das sie mit ihrem Freund Jerome (35) teilt.
Der Roman spielt in den Jahren 2018 und 2019. Die beiden führen eine angenehm dosierte Fernbeziehung, ›nice‹, aber auch ängstlich darum bemüht, dem Paarklischee zu entgehen und einander Freiheiten zu lassen. Der Autor redet von ›pragmatischem Hedonismus‹.
Über telegram etc. bleiben sie eng miteinander verbunden und besuchen sich wochenendweise in ihren jeweiligen Realitäten in Frankfurt und Berlin. Gleichzeitig ist jeder auch nur mit sich beschäftigt, beide bewegen sich auch ohne einander durch rauschende Nächte und begegnen neuen wie alten Bekannten. Was das mit ihnen macht, davon erzählt der Roman. Da kann schon mal »vorauseilende Wehmut« aufkommen.
Ein »virtuos lauwarmes Meisterwerk«, schreibt die Süddeutsche Zeitung (siehe unten)

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Leseprobe

Rezensionsübersicht

Rezension ZEIT 2020

Rezension SZ 2020

Bericht über den Roman inkl. Interview mit dem Autor

Der Autor liest uns ein paar Seiten in der freien Landschaft vor

Thomas Jonigk. weiter. (2020)

Wie findet man zu einem Glück, das man sich zutraut, zu einer Liebe, der man vertrauen kann? Veronika und Robert, zwei verlorene Seelen in ihren 20ern, begegnen sich in einem Westberliner Café in den 80ern. Der Roman erzählt von den beiden und wie sie an diesem Punkt gelangt sind. Das ist zum Teil dicke Post, erinnert sehr an den dunklen Zynismus der Romane von Sibylle Berg. Es liest sich trotz alledem sehr gut, sofern man die zum Teil schwer erträglichen Beschreibungen aushält – und weil sich darin so radikale wie interessante Betrachtungen über die conditio humana finden.

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Inhalt

Leseprobe, Textauszug

Rezension Deutschlandfunk 2020

Marieluise Fleißer: Eine Zierde für den Verein (1931/72)

Frieda, eine selbstbestimmte und ökonomisch unabhängige Frau, läßt sich auf eine sehr körperliche, lustvolle Beziehung mit Gustl ein, einem Ladenbesitzer und begabtem Schwimmer, dem sie intellektuell überlegen ist. Dann will er Frieda und ihr Geld in den Dienst seines Tabakgeschäfts einspannen, worauf sie ihn unwiderruflich verläßt. Der beleidigte Gustl gibt ihr darauf die Schuld dafür, das Training und damit seinen Männerkörper vernachlässigt zu haben. Im körperlichen Leistungswahn stauen sich Aggressionen an, die nach einem Ventil suchen. Der Roman kritisiert das vorherrschende patriarchalische Denken und falsch verstandene, toxische Männlichkeit – in Verbindung mit dem Wahn körperlicher Ertüchtigung. Damit bietet er auch einen Link Körperkult der Nazibewegung an.

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Prezi-Präsentation als Einstieg

Inhalt (etwas runterscrollen)

Rezension NZZ 2008: Sport als Schauplatz eines Geschlechterkampfs

Informative Rezension einer Bühnenfassung 2011

Rezension im Kontext einer Hörbuchfassung 2011

Ihr Leben und ihre Texte

Heinrich Mann: Der Untertan (1914/18)

Menschen, die nach Macht über andere streben, diese genießen und ausnutzen, tun das nicht selten, um ihre persönlichen Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren. Sie machen sich gerne einer Führerfigur ›untertan‹, um dann im Kollektiv gegen Schwächere zu treten. Genau das trifft auf den bis zur Schmerzgrenze unsympathischen Protagonisten Diederich Heßling zu, mit dem der Autor die »Vorgestalt des Nazi« entwarf, wie er selber sagte.
Heinrich Mann tat dies 1914, noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und 20 Jahre, bevor die Nazis in Deutschland ihre Diktatur ausriefen. Das verleiht dem »Untertan« seine analytische Bedeutung und prophetische Rolle: Da wusste einer, was das für Menschentypen sind, die nach einem starken Kaiser oder Führer lechzen und sich ein Großdeutschland wünschen – und die es heute noch genauso gibt wie damals. Man man lernt viel über die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im kaiserlichen Deutschland und darf auch mit dem Autor über diese Karikatur eines komplexbeladenen Feiglings, Spießers und Emporkömmlings lachen. (Bild)

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Rezension ZEIT 1979

Biografisches zu Heinrich Mann

Rezension Welt 2014

Kurzfassung goes Playmobil

Präzise Charakterisierung der Figuren

You-Tube-Erklärbär

Ausschnitt aus der Verfilmung von 1951

Dirk Kurbjuweit: Zweier ohne (2001)

Johann und Ludwig sind 16 und schon einige Jahre gut befreundet. Die beiden rudern zusammen und wollen jetzt ihre Freundschaft optimieren, um in der Ruderregatta endlich zwei erfolgreiche Zwillingsbrüder zu besiegen. Sie beschließen, ihr Leben komplett aneinander anzugleichen, auch über alles zu reden, was sie beschäftigt. Ludwig ist der dominantere der beiden und bestimmt das meiste. Das Problem: Johann und Ludwigs Schwester Vera haben ein Auge aufeinander geworfen.

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Inhaltsangabe

Inhalt & Analyse

Rezensionsüberblick

Leseprobe

Trailer der filmischen Umsetzung (2008)

Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh (2007)

Dieter Rotmund ist ein Mann mittleren Alters und das, was man einen traurigen Helden nennen kann. Zwar ist er verheiratet, hat eine Liebhaberin und wird zum Finanzdirektor befördert, aber das ändert nichts an seinem melancholischen Gemüt. Er schlägt sich so tapfer wir trostlos durch seine zunehmende Vereinsamung. Dabei kommen ihm absurderweise ein Ohr und sein linker kleiner Zeh abhanden. Das ist sehr sonderbar, aber keineswegs die Hauptsache in diesem melancholischen Roman, der vor allem denkwürdige Beobachtungen aus dem Alltag, philosophische Tröstungen und Humor von der subtilen Seite bietet.

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Rezensionsübersicht

Rezension Tagesspiegel 2007

Autorenlesung von Genazino auf youtube (2011, anderer Text)

Jackie Thomae: Brüder (2019)

Die ausführlich erzählte Geschichte zweier Halbbrüder, die sich und ihren gemeinsamen senegalesischen Vater nie kennengelernt haben. Die beiden sind unabhängig voneinander mit ihrer jeweiligen deutschen Mutter in der ehemaligen DDR geboren. Mit dem DJ, Lebenskünstler und Leichtfuß Mick erleben wir Berlin im Technoaufbruch der 90er, während Gabriel als ehrgeiziger Architekt im London der Nullerjahre seinen Weg geht. Die Themen Herkunft, Identität und Hautfarbe spielen dabei eher unaufdringliche Nebenrollen, es geht mehr um die charakterliche Unterschiedlichkeit der beiden Männer, ihrer Lebensführung und ihrer Vorstellung von Liebesbeziehungen und Familie.
Die Autorin (*1971) ist selbst in der DDR großgeworden als Tochter einer deutschen Mutter und eines Vaters aus dem westafrikanischen Guinea.

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Leseprobe: Die ersten Seiten

Die Autorin liest einen Auszug vor

Rezensionsübersicht

Rezension SZ 2019

Rezension FAZ 2019

Rezension NDR 2019

Interview mit der Autorin

Ralf Rothmann: Der Gott jenes Sommers (2018)

Der Roman erzählt von den letzten Kriegsmonaten im ländlichen Norddeutschland aus der Perspektive einer 12jährigen. Luisa Familie hat sich aus der zerbombten Marinestadt Kiel auf einen Milchbauernhof im Umland geflüchtet. Dem nahenden Kriegsende zum Trotz sind Gewalt, Zerstörung und Nazitum omnipräsent und jede Figur geht auf ihre eigene Weise damit um. Während ihre ältere Schwester Billie sich das öde Landleben mit Liebschaften versüßt und der Halbschwester Gudrun den Schwager streitig machen will, einen SS-Offizier, flieht sich Luisa in die Bücherwelt, zu den Tieren und in die sie umgebende Natur,
Wer sich auf den Roman einläßt, gewinnt zum einen exemplarische Einblicke in die Realität der Menschen an der sogenannten Heimatfront, die ausharren müssen, bis alles endlich ein Ende nimmt – und ohne sicher zu sein, ob sie den Übergang zum großen Danach fürchten oder herbeisehnen sollen. Zum andern erzählt er auch eine durchaus glaubwürdige Coming-of-Age-Geschichte. Man lernt wieder einmal, dass trotz Mangelwirtschaft, Zerstörung und Fliegerangriffen das Erwachsenwerden und die erste Liebe wichtiger als manches andere sind.

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Leseprobe

Rezensionsübersicht

Rezension ZEIT 2018

Rezension FAZ 2018

Videorezension 2019 (Vorsicht: Spoilergefahr)

Michael Köhlmeier: Madalyn (2010)

Erste Liebe! Wahnsinn! Die 14-jährige Madalyn verliebt sich ausgerechnet in den notorischen Lügner Moritz, zwei Jahre älter, Graffitisprayer, vermeintliches Lyrikgenie – ein Problemschüler, der seine Geheimnisse gerne für sich behält, auch die Beziehung zu Claudia, seiner letzten Freundin. Das macht ihn freilich umso interessanter. – Der Roman erzählt mit sehr viel Geduld von Madalyns andauernden Kampf und Krisenzustand, den Glücksgefühlen und romantischen Plänen, den Verunsicherungen, Ängsten und Einsamkeitsgefühlen, die dieses große Gefühl gerade beim ersten Mal begleiten oder zumindest begleiten können. Jeden Tag beginnt alles von vorne, scheint alles auf dem Spiel zu stehen. Das Telefon – und dem Guthaben darauf! – gewinnt plötzlich an Bedeutung, es wird zum Chronisten von Glück und Leid, derweil die sich streitenden Eltern noch eine zusätzliche Front bilden. Deshalb vertraut sich Madalyn auch nicht ihnen, sondern ihrem Nachbarn an, einem Schriftsteller, der zum einen die ganze Geschichte erzählt und zum andern auch darin verwickelt wird.

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Rezensionsübersicht

Rezension FAZ 2010

Videorezension (hauptsächlich in english)

Simone Meier: Kuss (2019)

Je mehr man sein Leben eingefädelt und schwerwiegende Entscheidungen hinter sich hat (Partnerschaft, Hauskauf, Jobsituation), desto weniger werden die Optionen. Man ist vielleicht glücklich, sitzt aber auch in einer Art Falle. So ergeht es Gerda, Mitte 30, die sich eine Auszeit genommen hat und nun vorwiegend mit dem Haus beschäftigt ist, das sie und Yann sich gekauft haben – außerhalb der Stadt, ein neuer Lebensabschnitt. Kommen jetzt Kinder? Ein beruflicher Wiedereinstieg? Und wohin mit den Sehnsüchten? Das Rollenmuster ist ungut, Yanns Freund Alex hat das gewisse Etwas. »Simone Meier spinnt einen Reigen des Begehrens, des Gesehenwerdenwollens, in dem der andere vornehmlich als Projektionsfläche dient und die Realität zunehmend entgleitet. Auch der Leser weiß mit der Zeit nicht mehr, wo Fantasie anfängt und Wirklichkeit aufhört, zu schmal ist der Grat.« (SPIEGEL 13.2.19)

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Leseprobe

Inhalt inkl. Zitate 2019

Rezensionsübersicht

Rezension SPIEGEL 2019

Podcast: Interview mit Simone Meier