Saša Stanišić: Herkunft (2019)

Verspielt mit den Sätzen dribbelnd, dabei Reflexion und Gefühl nicht aussparend, erzählt der in Bosnien geborene Autor von seiner Ankunft in Deutschland und seinem Leben in Heidelberg. Scham, Demütigungen und Ausgrenzung erlebt Stanisic immer wieder, begegnet ihnen aber mit der ihm eigenen Frohnatur: Der Wille zum Positiven ist so stark, dass sich die Welt fügt. Und er erzählt sehr viele aus seinem früheren Leben und von seiner Familie. Auf die Frage nach der Herkunft gibt es keine eindeutige Antwort, nur Geschichten. Und wer Geschichten erzählt, ist kaum anfällig für die obskuren Heilsversprechen von Nationalisten und so genannten Identitären.

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Rezension ZEIT 2019

Rezensionsüberblick

Rede des Autors zur Verleihung des Buchpreises 2019 (ab Minute 5:00)

Der Autor spricht und liest vor (gehe zu 13:00)

Marieluise Fleißer: Eine Zierde für den Verein (1931/72)

Frieda, eine selbstbestimmte und ökonomisch unabhängige Frau, läßt sich auf eine sehr körperliche, lustvolle Beziehung mit Gustl ein, einem Ladenbesitzer und begabtem Schwimmer, dem sie intellektuell überlegen ist. Dann will er Frieda und ihr Geld in den Dienst seines Tabakgeschäfts einspannen, worauf sie ihn unwiderruflich verläßt. Der beleidigte Gustl gibt ihr darauf die Schuld dafür, das Training und damit seinen Männerkörper vernachlässigt zu haben. Im körperlichen Leistungswahn stauen sich Aggressionen an, die nach einem Ventil suchen. Der Roman kritisiert das vorherrschende patriarchalische Denken und falsch verstandene, toxische Männlichkeit – in Verbindung mit dem Wahn körperlicher Ertüchtigung. Damit bietet er auch einen Link Körperkult der Nazibewegung an.

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Prezi-Präsentation als Einstieg

Inhalt (etwas runterscrollen)

Rezension NZZ 2008: Sport als Schauplatz eines Geschlechterkampfs

Informative Rezension einer Bühnenfassung 2011

Rezension im Kontext einer Hörbuchfassung 2011

Ihr Leben und ihre Texte

Arno Geiger: Unter der Drachenwand (2018)

1944, österreichische Provinz: Der 25jährige Wiener Veit Kolbe erholt sich nach vier Jahren Fronteinsatz von einer schweren Verwundung. Der Krieg ist noch nicht zu Ende und Kolbe kein Held. Hitlers Partei war ihm »Sinngebung«, der Krieg Normalität. In dem Dorf lernt er einige Menschen kennen: Nanni, ein unglückliches Mädchen, die in ihren Cousin verliebt ist; Margot, eine verheiratete junge Mutter, deren Mann auch an der Front ist; einen Gärtner, den alle den »Brasilianer« nennen, weil er lange in Rio lebte. Sie alle hoffen, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich – und von der Liebe. Es kommen aber auch andere Stimmen zum Zug, die von anderen Realitäten dieser Epoche erzählen, zum Beispiel einer jüdischen Wiener Familie, die vor den Nazis nach Budapest flieht, oder Margots Mutter in Darmstadt, die vom Bombenkrieg berichtet. Ein Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden. (Bild)

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Rezensionsübersicht

Rezension FAZ 2018

Rezension ZEIT 2018

Rezension profil 2018

Audio-Gespräch mit dem Autor

Viedeorezension FAZ 2018

Aglaja Veteranyi: Warum das Kind in der Polenta kocht (1999)

»Mein Vater ist so berühmt wie der Präsident von Amerika, er ist Clown und Akrobat und Bandit. […] Manchmal schlägt er sich mit anderen Männern. Oder er schlägt meine Mutter und zerschnipselt die Kostüme mit dem Rasiermesser und sagt: heute lass ich dich von der Kuppel runterfallen!« – Ein Zirkuskind erzählt in authentisch reduzierter, staunender und berührender Sprache von seinem Dasein in der Fremde, immer unterwegs, immer an neuen Orten, weit weg von der rumänischen Heimat, aus der die Familie flüchten musste. Ständig fürchtet sie um ihre Mutter, die jeden Abend durch die Manege fliegt und dabei nur an ihren Haaren hängt. Die Angst wird nicht geringer, als sie mit der Schwester in ein Schweizer Heim kommt, dessen Erzieherinnen keinen Sinn für das ungewöhnliche Kind und sein Schicksal haben. (Bild)
Einführung und Leseprobe

Textauszug als Hörspiel

Rezensionsüberblick

Rezension FAZ 2000

Beitrag zur Autorin anlässlich ihres Freitods 2002

Blogrezension 2012

Rezension & Trailer einer Bühnenfassung 2013

Jurek Becker: Jakob der Lügner (1969)

Eine Parabel über die Hoffnung spendende Kraft der Lüge. Schauplatz ist ein jüdisches Ghetto im besetzten Polen der Nazizeit in den letzten Wochen vor der Räumung. Jakob hat im Büro der deutschen Besatzer unbemerkt aus dem Radio mitbekommen, dass die Rote Armee nicht mehr fern sei. Die Neuigkeit geht wie ein Lauffeuer durchs Ghetto und weckt die lang ersehnte Hoffnung auf Befreiung. Schon bald heißt es, Jakob besäße ein Radio und sei stets auf dem Laufenden. Im Wissen um die positive Wirkung und zur Bekräftigung, dass er die Wahrheit gesagt hat, bestätigt Jakob Mischas diese tatsächliche Unwahrheit. Eine heikle Lüge, denn ein Radio zu besitzen war den Ghettobewohnern nicht erlaubt. Und Jakob muss jetzt dauernd Nachrichten erfinden, die er in seinem fiktiven Radio gehört hat. – Das Ganze wird von einem Ich-Erzähler aus der Erinnerung geschildert, ergänzt mit seinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Jurek Becker, der als Kind das KZ überlebte, ist ein Roman über den Holocaust gelungen, der das Schreckliche mit einer gewissen heiteren Leichtigkeit verknüpft und dadurch erträglich macht.  Bild: Henry Hübchen (Mischa) und Vlastimyl Brodsky (Jakob) in Frank Beyers Verfilmung von 1974.

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Inhalt & Kommentar

Inhalt & Analyse

Kurzfassung goes Playmobil

Rezension ZEIT 2002/2013

Blogrezension 2015

Trailer der Verfilmung von 1974 (Regie: Frank Beyer)

Trailer der Verfilmung von 1999 (Regie: Peter Kassovitz)

Klaus Mann: Der Vulkan (1939/1956)

»Es gibt keine Hoffnung. Ob wir Intellektuelle nun Verräter seien, oder Opfer, wir täten gut daran, die völlige Hoffnungslosigkeit unserer Lage zu erkennen. Warum sollten wir uns etwas vormachen? Wir sind geliefert! Wir sind geschlagen!« – Klaus Manns eindrückliches Panorama von Emigrantenschicksalen ist auch ein Bekenntnis zum Außenseitertum und eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Intellektuellen. Er beschreibt aus eigener Erfahrung das Dasein der ausgewanderten deutschen Schauspieler*innen, Künstler*innen, Journalisten etc. im Pariser Exil der Dreißiger Jahre, in Amsterdam, Prag, Zürich und den USA. Alle sind sie vor Hitlers Diktatur geflohen, ihre Arbeit ist aber an ihre Muttersprache gebunden. Nun sehen sie sich gezwungen, im Ausland der Weltgeschichte dabei zuzusehen, wie sich entwickelt. Einige planen, ihre Laufbahn in USA oder woanders fortzusetzen, andere hoffen darauf, in ein postfaschistisches Deutschland zurückkehren zu können, und manche wechseln das Metier und lassen sich zum Beispiel zum Handwerker umschulen. Bild: Nina Hoss in einer Szene aus O. Runzes Verfilmung von 1999.

Intro

Inhalt & Kommentar (zur Verfilmung)

Rezension ZEIT 1956/2012

Blogrezension 2016

Rezension anlässlich der Verfilmung (Berliner Zeitung 1999)

Hans-Ulrich Treichel: Der Verlorene (1998)

Winter 44/45: Von russischen Soldaten bedrängt, gibt eine junge Mutter ihr Kind in die Arme einer Fremden und sieht es danach nie mehr wieder. Nach dem Krieg suchen die Eltern heimlich nach dem verlorenen Sohn, ihren jüngeren Kindern erzählen sie, er sei gestorben. Aus der Perspektive des jüngeren Sohns und Ich-Erzählers wird deutlich, wie sehr die Trauer über den Verlust die Freude das Leben aller überschattet, der Junge wird eifersüchtig auf einen Abwesenden. Treichels autobiographische Erzählung kann man auch als symptomatisch für die Situation in Nachkriegsdeutschland lesen: Trotz Frieden und wiedergewonnenen Wohlstands steckt eine Wunde im Fleisch, die nicht verheilt. Bild: Matti Geschonnek verfilmte den Stoff 2015.

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Rezension FAZ 1998

Rezension SPIEGEL 1998

Blogrezension

Inhalt & Kommentar zur Verfilmung

Verfilmung von Matti Geschonnek 2015

Rainer Werner Fassbinder: Katzelmacher (1968)

Fassbinder Kammerstück dreht sich um eine Handvoll junger Leute in ihren Zwanzigern, unterprivilegiert, gelangweilt und unzufrieden mit ihrem kleinen Leben. Sie machen sich gegenseitig für ihr Unglück verantwortlich. Da kommt ihnen der griechische Gastarbeiter Jorgos gerade recht. Die Frauen bändeln an, die Männer werden eifersüchtig. Das kommt nicht gut. Bild: Fassbinder verfilmte sein Stück 1969.

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Inhalt & Kommentar zur Verfilmung (1969, Regie: R.W. Fassbinder)

Trailer Schaubühne Berlin 2011 (Regie: Ivan Panteleev)

Trailer Staatsschauspiel Dresden 2014

Trailer Münchner Volkstheater 2016

Trailer Junges Deutsches Theater Berlin 2017

Trailer der Verfilmung (Regie: R.W. Fassbinder 1969)

Roland Schimmelpfennig: Der Goldene Drache (2009)

›Der Goldene Drache‹ heißt das Asia-Schnellrestaurant, dessen Personal sich in einer Parallelwelt der Immigranten bewegt. Im Stile einer Parabel vermeidet das Stück billigen Sozialkitsch und zu viel dramatischen Realismus. In kurzen, bitterkomischen Episoden erzählt es von den dunklen Seiten unserer globalisierten Welt, von Ausbeutung, Gier, Illegalität und Brutalität. Bild: Szene einer Inszenierung am Deutschen Theater Berlin 2012 (Regie: Brit Bartkowiak).

Einführung

Rezension einer Inszenierung am Wiener Burgtheater 2009 WELT

Blogrezension der Inszenierung am Wiener Burgtheater 2009

Trailer einer Inszenierung am Schauspielhaus Graz 2011 (Regie: Sarantos Zervoulakos)

Trailer einer Inszenierung am Akademietheater Mannheim 2013

Marieluise Fleißer: Fegefeuer in Ingolstadt (1924)

Eine Horde von Jugendlichen des Gymnasiums, die tagaus tagein von Eltern, Schule und einer streng katholischen Erziehung gequält werden, sind gefährlicher als eine Horde Wölfe. Es gilt das Rudelgesetz und es gibt eine Hackordnung: mach alles mit, mach dich nicht zum Opfer, denn dann geht es ganz schnell, dann wird deine Schwäche ausgenützt, um sich über dich zu erheben und dich zu treten. Um genau das zu reproduzieren, das sie zu dem hat werden lassen, was sie sind. Besonders die eigenwillige kantige Sprache der fleißerschen Figuren offenbart den faschistischen Zug dieser Bande von Verlorenen, die vor lauter Langeweile und mangels Alternativen ihre eigene jugendliche Hölle generieren. (Bild)

Überblick

Biografie der Autorin

Rezension einer Münchner Inszenierung 2013 (Regie: Susanne Kennedy)

Rezension einer Inszenierung in Hamburg ZEIT 1980/2012

Rezension einer Zürcher Aufführung NZZ 2010

Rezension einer Inszenierung an den Münchner Kammerspielen 2013

Trailer der Inszenierung der Münchner Kammerspiele 2013

Interview anlässlich einer Inszenierung an den hessischen Theatertagen 2017