Christian Kracht: 1979 (2001)

Halb Reisebericht, halb Bildungsroman, schreibt die NZZ. Aber was für ein seltsamer: Ein wohlstandsverwahrloster deutscher Dandy und Intellektueller kommt auf den Hund – zuerst im Orient, dann in Fernost. Er gerät mit seinem Freund 1979 ins revolutionäre Teheran (als Khomeini Iran zum islamischen Staat macht), verliert den Freund und begibt sich als Pilger nach Tibet, erfährt auf spirituellen Wegen eine erste Ahnung von innerer Freiheit, und endet schließlich als Häftling in China. Eine Absage an die westliche Konsumgesellschaft? Ein Dokument bewusster Selbstauflösung eines westlichen Flachdenkers? Krachts Roman erscheint ausgerechnet 2001, als mit dem Angriff auf das World Trade Center Vertreter des radikalsten Islamismus dem Westen und dem ›Großen Satan‹ Amerika die ärgste Wunde zufügt. »In diesem Land wird eine neue Zeitrechnung beginnen, außerhalb des Zugriffs Amerikas“, sagt der Perser Massoud. „Es gibt nur eine Sache, die dagegen stehen kann, nur eine ist stark genug: Der Islam. Alles andere wird scheitern. Alle anderen werden in einem schaumigen Meer aus Corn Flakes und Pepsi-Cola und aufgesetzter Höflichkeit ertrinken.« (Bild)

Überblick

Zum Autor

Rezensionsübersicht

Rezension literaturkritik 2001

Rezension WELT 2001

Rezension FAZ 2001

Rezension NZZ 2001

Playlist einiger Musikstücke, welche die Protagonisten hören

Arno Geiger: Selbstportrait mit Flusspferd (2015)

Julian, 22 und Student, er vertrödelt irgendwie sein Leben und hat Knatsch mit seiner Freundin Judith. Dass da etwas nicht stimmt, ist klar doch als sie dann Schluss macht, ist er unglücklich. Um Zeit für sich zu gewinnen, bewacht er das Flusspferd im Garten des Hauses eines Professors, dessen Tochter Aiko ganz schön nervt – und Julian ganz schön anzieht. Derart zwischen Frauen, Ferienjob und Flusspferd eingeklemmt, findet Julian nach und nach etwas über sich und das Leben heraus, das er vorher nicht wusste.

Überblick

Leseprobe

Rezensionsübersicht

Rezension ZEIT 2015

Rezension TAGESSPIEGEL 2015

Rezension SPIEGEL 2015

Rezension NZZ 2015

Blogrezension 2015

Interview mit Arno Geiger 2015

noch’n Interview mit ihm 2015

Patrick Süskind: Das Parfum (1985)

Der 1738 auf dem Pariser Fischmarkt buchstäblich ins Leben geworfene Jean-Baptiste Grenouille ist eine Art menschliches Monster und lehnt etwas an Mary Shelley’s Opferkreatur aus deren Roman ›Frankenstein‹ von 1818 an. Der von seiner eigenen Mutter Verschmähte verschmäht seinerseits die Menschen. Und jetzt kommt etwas Metaphysik ins Spiel: Er, der selbst über keinerlei Eigengeruch verfügt, besitzt umgekehrt den absoluten Geruchssinn, eine übermenschliche Gabe. Um sich an seinem Ungeliebtsein zu rächen, macht er sich daran, das perfekte Parfüm herzustellen, um sich die Menschen untertan zu machen. Dafür müssen viele junge Frauen ihr Leben hingeben. Bild: Der fantasievolle Roman über einen Misanthropen und die Verführbarkeit der Masse wurde 2006 von Tom Tykwer verfilmt.

Überblick

Inhalt & Kommentar

Inhalt & Analyse

Kurzfassung goes Playmobil

Inhalt & Analyse (Schulprojektseite mit Links)

Rezension FAZ 2006

Trailer der Verfilmung von Tom Tykwer 2006

Jurek Becker: Jakob der Lügner (1969)

Eine Parabel über die Hoffnung spendende Kraft der Lüge. Schauplatz ist ein jüdisches Ghetto im besetzten Polen der Nazizeit in den letzten Wochen vor der Räumung. Jakob hat im Büro der deutschen Besatzer unbemerkt aus dem Radio mitbekommen, dass die Rote Armee nicht mehr fern sei. Die Neuigkeit geht wie ein Lauffeuer durchs Ghetto und weckt die lang ersehnte Hoffnung auf Befreiung. Schon bald heißt es, Jakob besäße ein Radio und sei stets auf dem Laufenden. Im Wissen um die positive Wirkung und zur Bekräftigung, dass er die Wahrheit gesagt hat, bestätigt Jakob Mischas diese tatsächliche Unwahrheit. Eine heikle Lüge, denn ein Radio zu besitzen war den Ghettobewohnern nicht erlaubt. Und Jakob muss jetzt dauernd Nachrichten erfinden, die er in seinem fiktiven Radio gehört hat. – Das Ganze wird von einem Ich-Erzähler aus der Erinnerung geschildert, ergänzt mit seinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Jurek Becker, der als Kind das KZ überlebte, ist ein Roman über den Holocaust gelungen, der das Schreckliche mit einer gewissen heiteren Leichtigkeit verknüpft und dadurch erträglich macht.  Bild: Henry Hübchen (Mischa) und Vlastimyl Brodsky (Jakob) in Frank Beyers Verfilmung von 1974.

Überblick

Inhalt & Kommentar

Inhalt & Analyse

Kurzfassung goes Playmobil

Rezension ZEIT 2002/2013

Blogrezension 2015

Trailer der Verfilmung von 1974 (Regie: Frank Beyer)

Trailer der Verfilmung von 1999 (Regie: Peter Kassovitz)

Jonas Lüscher: Kraft (2017)

Der Rhetorikprofessor Richard Kraft steht vor seiner zweiten Scheidung und muss dringend eine Geldquelle an Land ziehen, um die auf ihn zukommenden Alimente bezahlen zu können. Da kommt ihm ein philosophischer Wettbewerb aus Silicon Valley wie gerufen, der eine Million Dollar demjenigen verspricht, der die beste Antwort auf die auf Leibniz (18. Jh.) aufbauende Frage liefert, weshalb wir in der besten aller Welten leben – aber wie wir sie dennoch verbessern können. Im Laufe des Romans erfahren wir, wie der junge Kraft in den achtziger Jahren gegen den rebellischen Mainstream der linken Jugend opponiert und sich an Helmut Kohls Neoliberalismus ausrichtet. Da steckt einiges an politischer Recherche drin, was sich je nach Interessenlage recht spannend liest. Unterhaltsam sind auch die Liebes- und Ehegeschichten oder die Passagen mit seinem Freund, der als Begleiter einer ungarischen Schachmannschaft den Eisernen Vorhang überwindet. Eine Art Höhepunkt bilden seine Erlebnisse in der Stanford University, wo er unter anderem mit einem ungebrochenen kalifornischen Optimismus und einer Technik- und Machbarkeitseuphorie à la The Circle konfrontiert wird. (Bild)

Leseprobe

Rezensionsüberblick

Rezension ZEIT 2017

Rezension WOZ 2017

Rezension SZ 2017

Rezension NZZ 2017

Rezension booknerds 2017

Interview mit Lüscher (Sternstunde Philosophie)

Besprechung im Literaturclub (von Minute 13:00 an)

Klaus Mann: Der Vulkan (1939/1956)

»Es gibt keine Hoffnung. Ob wir Intellektuelle nun Verräter seien, oder Opfer, wir täten gut daran, die völlige Hoffnungslosigkeit unserer Lage zu erkennen. Warum sollten wir uns etwas vormachen? Wir sind geliefert! Wir sind geschlagen!« – Klaus Manns eindrückliches Panorama von Emigrantenschicksalen ist auch ein Bekenntnis zum Außenseitertum und eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Intellektuellen. Er beschreibt aus eigener Erfahrung das Dasein der ausgewanderten deutschen Schauspieler*innen, Künstler*innen, Journalisten etc. im Pariser Exil der Dreißiger Jahre, in Amsterdam, Prag, Zürich und den USA. Alle sind sie vor Hitlers Diktatur geflohen, ihre Arbeit ist aber an ihre Muttersprache gebunden. Nun sehen sie sich gezwungen, im Ausland der Weltgeschichte dabei zuzusehen, wie sich entwickelt. Einige planen, ihre Laufbahn in USA oder woanders fortzusetzen, andere hoffen darauf, in ein postfaschistisches Deutschland zurückkehren zu können, und manche wechseln das Metier und lassen sich zum Beispiel zum Handwerker umschulen. Bild: Nina Hoss in einer Szene aus O. Runzes Verfilmung von 1999.

Intro

Inhalt & Kommentar (zur Verfilmung)

Rezension ZEIT 1956/2012

Blogrezension 2016

Rezension anlässlich der Verfilmung (Berliner Zeitung 1999)

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt (2005)

Dieser augenzwinkernde Roman um zwei berühmte Geistesgrößen in Deutschland um 1800 bewegt sich entlang historischer Fakten, schmückt sie aber mit jeder Menge privaten Geschichten und Dialogen aus, was den Kuriositätengehalt und den Unterhaltungswert des Plots steigert, aber sozusagen historisch erfunden ist. Dem so nerdigen wie knallharten Naturwissenschaftler Humboldt folgt man auf seine Weltreisen, an der Seite des knorrigen und sturen Mathematikers Gauss erfährt man einiges über die unfreien politischen Zustände im Deutschland der Restaurationszeit und wie schwer es war, Geld aufzutreiben für eine Forschung unter Adligen, die –salopp formuliert – weiß Gott nicht alle Abitur hatten. Kauzig sind beide Männer, und man muss das schon mögen, wenn man sich die dreihundert Seiten vornimmt. Übrigens begegnen sie sich auch mal. Bild: Detlev Buck verfilmte den Roman 2012.

Überblick

Inhalt & Kommentar

Inhalt & Analyse

Rezensionsübersicht

Rezension SPIEGEL 2005

Rezension FAZ 2005

Rezension ZEIT 2005

Reaktionen aus aller Welt

Erfolgsbericht FAZ 2006

Trailer der Verfilmung 2012 (Regie: Detlev Buck)

Elfriede Jelinek: Die Liebhaberinnen (1975)

»heinz ist froh, endlich einen menschen zum rammeln gefunden zu haben. kaum wird heinz des menschen brigitte ansichtig, schon knöpft er sich auf und geht in startposition. während ihm brigitte noch erklärt, daß sie ihn liebt und gleichzeitig etwas wie hochachtung vor seinem beruflichen erfolg empfindet…« In so derber wie klarer Sprache wird hier der sogenannten Liebe der Schleier vom Kopf gerissen. Es bleibt das ökonomische Gerippe des notwendigen Ernährers, den man als junge Frau mittels eines gemeinsamen Kindes dazu bringen muss, für einen aufzukommen. – Liebe in Zeiten der Ökonomie in der österreichischen Provinz, dass es kracht: In diesem frühen Roman Jelineks erleben wir den Kampf von weiblichen Teenagern um einen der raren Lebensgenossen als Darwinsche Versuchsanlage mit eingebauten Tiefschlägen: Am Ende gewinnt Brigitte gegen Paula 1:0, denn sie hat fortan eine Zukunft, die Heinz heißt und eine eigene Waschmaschine verspricht, während Paula weiterhin in der Fabrik BHs zusammennähen muss. Wer Heinz genau ist, spielt keine Rolle. Sagte da jemand Liebesheirat? Bild: aus einer Bühnenfassung im Düsseldorfer Schauspielhaus 2002.

Einführung

Blogrezension 2015

Blogrezension anlässlich der Düsseldorfer Inszenierung (siehe Bild) 2002

Eigenwillige Umsetzung als Trailer für eine polnische Bühnenfassung 2012

Ödön von Horvath: Ein Kind unserer Zeit (1938)

Ein junger Mann lässt sich vom Faschismus überzeugen, weil er mit seinem Leben wenig anzufangen weiß, gerät in der Krieg und kommt auf den Hund. Bild: aus einer Verfilmung von 2003.

Überblick

Inhalt & Kommentar

Der ganze Roman

Blogrezension

noch ne Blogrezension

Kurzbiografie des Autors

Trailer einer Theaterfassung 2013

Robert Schneider: Schlafes Bruder (1992)

In einem abgelegenen Bauerndorf wird ein musikalisches Wunderkind geboren, das über ein absolutes Gehör verfügt. Als seine große Liebe einem anderen versprochen wird, beschliet er, nicht mehr zu schlafen. Gewisse Parallelen zu Süskinds Roman ›Das Parfum‹ bestehen insofern, als beide Protagonisten mit einer außerordentlichen Gabe ausgerüstet sind und ansonsten Außenseiter am Rande der Gesellschaft darstellen, welche in diesem Fall eine ganz und gar dumme und bösartige ist. Bild: André Eisermann und Ben Becker in einer Szene aus Joseph Vilsmaiers Verfilmung (1995)

Übersicht

Inhalt & Kommentar

Leseprobe

Ausführliche Facharbeit

Kurzfassung goes Playmobil

Materialien & Interpretationszugänge

Rezension ZEIT 1992

Trailer der Verfilmung